Kenne ich die gute Passivität?
Man sieht immer das, was nicht getan wurde
und nie das, was schon bewältigt ist.
Marie Curie
Dieser Gedanke von Marie Curie könnte eine Einaldung sein, innezuhalten und sich zu fragen: Kenne ich diese Art der ruhelosen Aktivität?
Wäre es eine Möglichkeit, sich an den Gedanken von Viktor Frankl zu erinnern, dass uns das Leben fragt und nicht wir dem Leben sagen, wie es zu sein hat.
Was fragt mich das Leben jetzt?
Ist es wirklich das Leben, das mich fragt oder kommt die ruhelose Aktivität von geplanten Vorstellungen, die ich mir vom Leben gemacht habe?
Eine Aktivität aber, die die Kunst der Passivität nicht kennt, wird bedenkenlos, ziellos und erbarmungslos.
Fulbert Steffensky
Der Zeitgeist will uns einreden: Sei möglichst immer im Vollbesitz deiner Leistungsfähigkeit!
Denn du bist nur anerkannt, wo du nützlich bist und etwas leistest.
Du gehörst dazu, wenn du etwas vorweisen kannst, was allgemein anerkannt wird.
Ob es mit den eigenen Wertvorstellungen zusammenpasst, ist dem Zeitgeist egal.
So entstehen Leistungsüberdruss und ein Aktionismus, der die Kunst der guten Passivität behindert und oftmals verhindert.
eine Kultur der Stille, in der die Dinge so eingerichtet wären,
dass jedem geholfen würde, zu seiner eigenen Stimme zu finden.
Nichts würde mehr zählen als das; alles andere müsste warten.
Unnötig zu sagen: die Utopie eines Phantasten . . .
eine phantastische Utopie.

Wo und bei wem finde ich einen Raum für meine eigene Stimme?
Jede und jeder kennt Menschen, bei denen es gut ist zu sein.
Das sind jene außergewöhnlichen Menschen, in deren Nähe das eigene Herz weit wird und man aufhört zu überlegen, ob man dies oder jenes sagen kann.
Manchmal geschieht zu viel und man nimmt das Leben in seiner Vielfalt und in seiner Fülle, nicht mehr wahr. In solchen Lebensphasen fragt das Leben nach dem Innehalten und nach Ruhe. Leider stellt sich diese Ruhe nicht auf Knopfdruck ein.
Ich habe erkannt, dass das Leben am besten läuft,
wenn es einen Austausch zwischen bewusster Ruhe und sinnvoller Aktivität gibt.
Joan Anderson
Bewusste Ruhe ist nötig, um uns selbst wahrnehmen zu können. Martin Schleske, der Geigenbauer aus Landsberg am Lech hat die bewusste Ruhe als heilendes Nichttun bezeichnet. In diesem Nichttun könnten wir uns, unserer körperlichen Grenzen bewusst werden und vor allem der ständigen Aufforderung, resilient sein zu müssen. Unsere seelische Widerstandskraft steht uns nicht zu allen Zeiten uneingeschränkt zur Verfügung. Auch unsere Seele braucht Zeiten, in denen sie nicht mehr leisten muss als menschlich möglich.
Das Nichttun kann auf das „s“ im Nichtstun verzichten. Lassen wir uns von der Kreativität inspirieren. Wofür könnte das „s“ stehen? Worauf könnten wir verzichten: auf Sorgen, auf Schnelligkeit, auf Sensationen, auf Selbstquälerei und Selbstanklage. Viele meinen, dass Nichttun „nichts tun“ bedeutet. Das Nichttun stärkt unsere Ehrfurcht vor dem Leben, vor uns selbst und vor anderen.
Ernst Ferstl schreibt in einem kleinen Büchlein „Wer Humor hat, hat gut lachen“: Das Nichttun und das Nichtstun haben nichts miteinander zu tun.

„Ich bin immer, auch im Leben, für Ruhepunkte,
Parks ohne Bänke können mir gestohlen bleiben.“
Theodor Fontane
Die Ruhe der Natur schenkt uns Antworten oder vermutlich beginnen einige über ihre Aktivitäten, die ständig nützlich sein sollen, zu lächeln.
Erstaunlich ist, dass wir erst in den Ruhephasen wahrnehmen, wie erschöpft wir sind. Auf einmal reicht die Energie nur mehr für das Nötigste. Die gute Passivität aushalten ist herausfordernd und sie befreit erst nach einiger Zeit von überflüssigen Forderungen.
Wer mit anderen die gute Passivität genießen lernt, erfährt das Staunen, welches in persönlichen Begegnungen möglich wird.
um etwas absolut Individuelles,
um ein individuelles Sein-Sollen.
Dies kann daher von keinem generellen Gesetz,
von keinem allgemein formulierten „moralischen Gesetz“
gefasst werden.
Begegnung ist aber nicht rational erkennbar,
sondern eben nur intuitiv erfassbar.
Falls gerade alle lieben Menschen beschäftigt sind und Sie sich nach guter Passivität sehnen, schreiben Sie für sich selbst ein „Elfchen“.
Ein „Elfchen“ hat nichts mit Elfen oder anderen geheimnisvollen Wesen zu tun. Das „Elfchen“ heißt so, weil es aus elf Wörtern besteht. Die Struktur der elf Wörter ist ebenso hilfreich, wie der Hinweis, dass richtige Grammatik keine Rolle spielt. Die einzige Struktur, die einzuhalten ist, ein Wort in die erste Zeile schreiben, zwei Wörter in die zweite, drei in die dritte, vier in die vierte und in die fünfte Zeile ein Wort.
Hier sind zwei Beispiele:
Passivität
unerträglicher Gedanke
obwohl ich weiß
sie würde guttun die
Passivität
Passivität
wäre wunderbar
irgendwie unvorstellbar schön
innere Ruhe einfach nur
Nichttun