Wofür brauche ich Mut?
„Wir leben in einer Welt,
in der die Menschen Wunder nur von sich selbst erwarten können.“
Simone Weil
Die Rahmenbedingungen in unserer Gesellschaft haben sich durch die digitale Welt sehr stark verändert. Ein altes Sprichwort sagt: Aus den Augen aus dem Sinn. Dies trifft wohl für viele zu, welche Handy oder Bildschirm täglich benutzen. Wir schreiben Emails oder Informationen am Handy und schwupps ist die Nachricht abgeschickt. Sich Zeit nehmen die „Wisch-und-weg-Nachrichten“ in Ruhe zu lesen, ist aufgrund der unüberschaubaren Anzahl kaum mehr möglich.
und akzeptieren Antworten von Chatbots,
ohne darüber nachzudenken oder sie zu diskutieren.

Wir brauchen eine neue Gesprächskultur und dazu können wir alle etwas beitragen.
„Argumente können wir austauschen wie Karten.
Ich möchte, dass die Leute entdecken, wie kompliziert Menschen sind.
Man lässt sich auf ein Gespräch ein und nicht auf das Ergebnis.“
Theodore Zeldin, ein britischer Historiker, empfiehlt Fragen:
Wie kann man dem Mangel an Seelengefährten abhelfen?
Wie bewahrt man sich vor Selbsttäuschungen?
Was bedeutet es, lebendig zu sein?
Was ist das große Abenteuer unserer Zeit?

Mut ist nicht etwas, was einem gegeben ist, sondern wir lernen Mut im Lauf des Lebens. Wer Mut hat, dem sind bestimmte Dinge wichtig.
Doch wir sollten nicht vergessen, dass Menschen unterschiedlich sind und nicht jede und jeder kann sich mutig den Herausforderungen des Lebens stellen.
das ihm geschehen ist, zornig zu werden,
der wird schwer kämpfen können.
Wer nicht fähig ist, über andern angetanes Unrecht
zornig zu werden, der wird nicht
für die große Ordnung kämpfen können.
Wesentlich für die Entfaltung von Mut ist ein Wert, der mir am Herzen liegt, ein Wofür, für das es sich zu leben lohnt. Dieses Wofür erobern wir nicht mit Schlagworten. Dafür brauchen wir Zeit und ein Gegenüber, das uns mit einer anderen Sichtweise beschenkt. Wir brauchen Inspiration, um nicht ständig im Kreis zu denken und nur unsere Sichtweise als „richtig“ zu erachten.
Mut bedeutet, persönlich Stellung zu nehmen und eine eigene Meinung zu haben. Diese Meinung will „erarbeitet“ werden und in diesem Sinne ist der Mut eine seelische Stärke des Herzens.
Das mittelhochdeutsche „muot“ bedeutet: Sinn, Geist, das Innere, das Herz des Menschen.
Wir werden zu allen Zeiten zu Gesprächen bereit sein, wenn Gespräche nützen.
Aber wir müssen genauso bereit sein, der Gewalt Widerstand zu leisten,
wenn uns gegenüber Gewalt angewendet wird.
Eines allein würde vergeblich sein.
Zusammen kann dies der Sache des Friedens und der Freiheit dienen.
Robert Kennedy, Juli 1961