Wofür entscheide ich mich?
„In jedem Falle behält der Mensch die Freiheit und Möglichkeit,
sich für oder gegen den Einfluss der Umgebung zu entscheiden.“
Viktor E. Frankl
Wie wirkt sich der Einfluss der Umgebung auf mich aus?
Immer wieder begegnet man Experten, die genau wissen, wie Leben geht. Manche meinen tatsächlich, sie sind die alleinigen Herrscher und verkünden mit erstaunlicher Überheblichkeit, dass es nur an einem selbst liegt, ob es einem gut geht oder nicht. Der vorherrschende Zeitgeist will uns einreden, wir seien Maschinen, die funktionieren sollen und für jedes Missgeschick gibt es einen Schalter, mit dem es behoben werden kann. Jede Enttäuschung müsse man nur loslassen, denn es liegt an einem selbst. Nur so einfach ist es nicht.

„Es gibt kaum eine größere Enttäuschung,
als wenn du mit einer recht großen Freude im Herzen zu gleichgültigen Menschen kommst.“
Christian Morgenstern
Das Bemühen sein Bestes für eine bestimmte Sache zu geben, ist eine gute Sache. Doch jede Handlung nur dem Ziel des Erfolges unterzuordnen, schadet nicht nur dem Bemühen, sondern jenen Fragen, welche das Leben stellt. Kein Mensch kann im Voraus sagen, wie etwas ausgeht und welchem Zweck es dienen soll. Jeder Mensch wird enttäuscht und manchmal auch verletzt, weil andere aus Konformität und Feigheit nicht wagen, den Mund aufzumachen.
Irrtümer und Fehler gehören zum Leben und unser Alltag ist voll davon. Es ist sinnvoll und erkenntnisreich, sich selbst zu fragen: Was habe ich falsch gemacht?
Diese Frage ist keine Frage der gängigen Moral, sondern eine Anregung zum Nachdenken. Sich Zeit zu nehmen, sich selbst zu besinnen hat einen Wert. Wer nicht über bestimmte Dinge nachdenkt und überlegt, landet im Irrgarten der Meinungen.
Viktor Frankl zitiert in seinem Buch „..trotzdem Ja zum Leben sagen“ den deutschen Dichter Gotthold Ephraim Lessing: „Wer über gewisse Dinge den Verstand nicht verliert, der hat keinen zu verlieren.“
Günter Funke, einer der persönlichen Schüler von Viktor Frankl hielt vor mehr als dreißig Jahren in Innsbruck einen Vortrag zur „Kultur des Fehlermachens“. In dieser Zeit hat die Akribie des Perfektionismus erschreckend zugenommen. Den Vortrag können Sie nachlesen >>> Homepage von Inge Patsch nachlesen.
Allerdings sind auch die nicht wahrheitsfähig,
die auf ihren Irrtümern beharren oder sie verschweigen
und Korrekturen nicht vertragen.
In Zeiten, in denen eine Entscheidung nicht so ausging wie geplant, bräuchten wir eine Freundin, einen Freund, der uns zuhört und Mitgefühl zeigt. Offensichtlich tun sich viele schwer, wenn etwas schief gegangen ist. Es gibt so viel selbstoptimierte Menschen, die sich ihr Mitgefühl abtrainiert haben und anstelle dessen eine Besserwisserei pflegen, die unerträglich geworden ist. So können keine guten Gespräche entstehen. Jemandem beistehen, der sich für eine gute Sache intensiv eingesetzt hat und aufgrund von äußeren Umständen gescheitert ist, gehört zu unserem Menschsein. Diesen Beistand kann die künstliche Intelligenz nicht leisten. Wir brauchen Menschen und wir üben uns, in unserem Mitfühlen, in dem wir für andere da sind.
Maria Kalesnikava, eine Musikerin aus Belarus ist aus politischen Gründen im Gefängnis gewesen. Die meiste Zeit während der fünf Jahre Haft in einer Einzelzelle. Kurz nach ihrer Freilassung durch das belarussische Regime hat sie in München im Literaturhaus mit dem Historiker Karl Schlögel gesprochen. Über den Wert der Freiheit, die Bedrohung durch Putin und ihre Erfahrungen in der Isolation gesprochen. Sie sagt: „Ich war physisch begrenzt, aber im Geist frei“. Ein Gespräch über Mut, Unbeugsamkeit und Gefahren für die westliche Demokratie.
Link zum hörenswerten Gespräch >>>