Worüber freue ich mich?
„Freude ist erst voll, wenn man sie teilen kann, wenn man sie schenken kann.“
Ava von Göttweig, 1060 – 1127
erste überlieferte Dichterin deutscher Sprache
Die Fähigkeit, sich freuen zu können, bringt jedes Menschenkind auf die Erde mit. Am Beginn unseres Lebens sind wir froh, dass uns jemand füttert, die Windeln wechselt und uns anlächelt – eigentlich schade, dass wir diese Fürsorge nicht bewusst wahrnehmen. Bereits im Kindergarten freuen wir uns, dass wir Geschenke für Eltern und Großeltern basteln und sind erstaunt, wenn wir am Osterstrauch die bemalten Eier aus der Kindergartenzeit wiederfinden.
Ja, wir wissen es, derzeit gibt es auf der Welt und besonders in den Schlagzeilen wenig, das uns mit Freude inspirieren könnte. Vielleicht heißen die Schlagzeilen deswegen so, weil sie „erSCHLAGen“. Vermutlich eignet sich Freude nicht für Schlagzeilen. Schlagzeilen bedienen jene Untergangsstimmung, die in den Irrgarten der miesen Stimmung und der Ausweglosigkeit führt. Populisten kennen keine Freude. Diese Typen lieben Schlagzeilen, Gruselpropaganda, Schadenfreude und Verachtung. Das Negative findet auf eine unerklärliche Weise überall schnell Eintritt.
Die Freude hat es viel schwerer, um Türen zu öffnen.
Woran das liegt? Wir wissen es nicht, frage Dich selbst!
Jede und jeder von uns kann sich bewusst entscheiden was mit Freude inspiriert – – – wir alle können dafür auch etwas tun!
Freude am Geben ist ebenso bereichernd wie die Freude am Nehmen. Manche Menschen machen anderen gerne eine Freude und freuen sich, wenn die Beschenkten ihre Freude zeigen.
Was wir in unseren Tagen brauchen ist eine Feinfühligkeit für das Gute und Schöne. Sich über Gutes freuen zu können, ohne sofort mit einem „Ja,aber“ zu kontern, ist erlernbar.

„Verschiebe nichts, was dir wichtig ist,
worauf du dich freust und
womit du jemandem eine Freude machen willst – dann musst du nicht, wenn es nicht mehr geht sagen: „Hätte ich doch, wäre ich doch.“
Renate Schmidt,
Worauf du dich verlassen kannst
Was liegt mir am Herzen?
Mit wem kann ich meine Freude über Erlebtes teilen?
Wem wollte ich schon lange sagen, dass ich froh bin, dass es sie oder ihn gibt?
Worauf freue ich mich in den nächsten Tagen?
Diese Fragen sind eine lohnende Reise zu jenen Werten, für die es sich zu leben lohnt, weil sie unser Herz berühren.
Wir sollten die Fragen nach dem, was uns freut, öfter stellen und unsere Freude über Menschen und Dinge, die uns erfreuen öfter miteinander teilen.
Der feine Unterschied zum bloßen Vergnügen,
zum seichten Amüsement, darf nicht übersehen werden.
Mit dem Amüsement lebt der Mensch „in sich hinein“,
mit der Freude „über sich hinaus“.
Das Vergnügen vertreibt die Zeit,
die Freude erfüllt sie.
Igor Levit, beschreibt sich auf seiner Homepage mit Citizen, European, Pianist und sagt: „Ich will nicht nur der Mann sein, der die Tasten drückt“.
Am 8. März 2026 hielt er im Schauspielhaus in Dresden eine hörenswerte Rede. Auch die ausführliche Begrüßung der Journalistin Karin Großmann ist besonders schön.
Igor Levit sagt am Beginn seiner Rede: „Meine Erfahrung ist, dass Zuhause nicht Ankunft sondern Aufbruch ist und Aufbruch nicht Entwurzelung bedeutet, weil wir Menschen auch nach vorne hin Wurzeln schlagen können. Die deutsche Sprache hat dieses Futur 2, der vollendeten Zukunft: Ich werde etwas getan haben. Wir werden etwas vollbracht haben. Ich finde das so wunderbar, weil hier die Überzeugung zur grammatikalischen Form geworden ist. Ich kann mich auf einen Zukunftshoriziont hin entwerfen und ich kann zu dir und zu anderen darüber sprechen und sie einladen mitzukommen.“
Wir können jeden Tag entscheiden, womit wir unseren Tag beginnen, bevor die mediale Flut über uns hereinbricht – – – ohne dass wir sie bewusst eingeladen haben. Derzeit geht es vielen so, dass man manche Schlagzeilen bewusst „ausladen muss“.
Wir allen können sehr bewusst Gutes und Schönes zu uns nach Haus einladen – auch damit kann man sich vom World-Wide-Web beschenken lassen.
„Man sollte alle Tage wenigstens ein kleines Lied hören,
ein gutes Gedicht lesen, ein treffliches Gemälde sehen und,
wenn es möglich zu machen wäre, ein vernünftiges Wort sprechen.“
Das ist eine Idee von J. W. V. Goethe.
„Tu‘, was dir am meisten Freude macht. Die Welt braucht nichts dringender als Menschen, die alles, was sie tun, mit Freude tun.“
Diese Ermutigung stammt von Howard Thurman, Theologe und Bürgerrechtsaktivist.
Marietta Auer ist Direktorin am Max-Plank-Institut für Rechtsgeschichte und Rechtstheorie in Frankfurt am Mai. Sie spricht im Podcast „Alles gesagt“ über viel mehr als nur über Theorie. Ab Minute 6.02.30 antwortet sie auf die Frage, welche Empfehlung sie jungen Menschen mit auf den Weg geben würde: „Mach genau das, was dich interessiert.“
oder vom Ursprung des Organisierens
Man erzählt, dass Gott nach Erschaffung der Welt
sein Werk zufrieden betrachtete und
der Teufel sein Wohlgefühl geteilt habe, auf seine Weise natürlich,
denn als er ein Wunder nach dem anderen begutachtete,
habe er immer wieder gerufen:
»Wie gelungen alles ist! Wir wollen es organisieren!»
»Und damit alle Freude nehmen!»
Viele leben nach einer Ordnung, die „teuflisch“ ist. Man legt das Ziel vorher fest. Das Resultat und das messbare Ergebnis werden auf diesem Weg wichtiger als die Sache, der man sich widmet.
Nur, war sich rentiert oder Anerkennung bringt, lohnt sich. Ja, und ganz wichtig, anecken darf man auch nicht. So bleiben viele konturlos und wisssen bald selbst nicht mehr, was ihnen am Herzen liegt.
Im Rückblick könnte uns das Lied von Nina Hagen daran erinnern, dass wir rechtzeitig unser Leben mit Farbe = Freude füllen: Du hast den Farbfilm vergessen, mein Michael!
Manche Menschen sagen, man kann sich doch nicht freuen, wenn so vieles unsicher und bedroht ist. Falls Du oder Sie zu jenen gehören, möchten wir Dich / Sie gerne an einen Text erinnern, der fast dreitausend Jahre alt ist.
eine Zeit zum Weinen und eine Zeit zum Lachen,
eine Zeit für die Klage und eine Zeit für den Tanz,
eine Zeit zum Steinewerfen und eine Zeit zum Steinesammeln,
eine Zeit zum Umarmen und eine Zeit, die Umarmung zu lösen.
Was die Freude betrifft: Nie wird unser Auge satt, wenn es Schönes betrachtet, nie wird ein Ohr voll vom Hören guter Dinge und schöner Musik!
In diesem Sinne fröhliche Osterfeiertage und wenn fröhlich nicht möglich ist, dann ein klein wenig froh!