Beiträge mit Sinn

Das Leben ist zu wertvoll, um es andauernd mit Füßen zu treten!

Dieser Text stammt von Carmen Palisa und wir danken herzlich für Ihre Offenheit von Erfahrungen, die einigen Menschen vertraut sein dürften.

Meine Veränderungen, die ich durch die Logotherapie bis jetzt erfahren habe, drücke ich in einem Bild aus: Ich zeige meinem Ego den Finger – eh klar welchen – denn mein Ego hat mich lange genug auf Trab gehalten und mir vorgegaukelt, dass es noch mehr sein darf als nur gut, besser, größer, lauter, überwältigender.

Aus dem inneren Wahrnehmen einer Stimme, die mich jahrzehntelang begleitete, deren Worte ich aber nicht hörte, werden schön langsam ganze Sätze, die mich dazu einladen, Klarheit zu schaffen, zuzuhören, Verantwortung zu übernehmen und auch die Realität dazu einzuladen, bei meinen Entscheidungen mit dabei sein zu dürfen.

Seitdem ich denken kann, stelle ich mir die Frage: Wofür bin hier?
Niemand konnte mir diese Frage beantworten. Ich bekam lediglich oft dieselbe Antwort: „Du denkst zu viel darüber nach, Carmen“. Wir leben einfach, da gibt’s kein WOFÜR!‘

Ich dürfte dann mal aufgehört haben zu fragen, und tat mein Bestes, denen zu genügen, die es vielleicht schon begriffen haben, warum wir hier sind. Vertrauensvoll habe ich dann eben genau das gemacht, was mir vermittelt und vorgelebt wurde, denn die dürften sich ja schon die Frage beantwortet haben – glaubte ich.



Pech gehabt – weiß ich jetzt, denn damit bin ich leider jahrelang gegen die Wand gefahren, hab mich verirrt, hab gelitten, war schutzlos, bodenlos, energielos und sowas von leer.

Die Wende kam knapp vor meinem 40. Geburtstag. Da verblutete meine Tochter beinahe bei einer Routineoperation. Das Bangen um das Leben meiner Tochter brachte meine „alte Welt“ endgültig ins Wanken. Ich befand mich in einer Schockstarre, abwartend, sorgend und ganz unten und gleichzeitig formte sich in mir eine Kraft, die mir unvermittelt und unmissverständlich zu verstehen gab, dass es jetzt einfach reicht.


Das Leben ist zu wertvoll, um es andauernd mit Füßen zu treten! Auch das Eigene, denn daraus entstand ja meine kleine Tochter, um deren Leben ich jetzt bangte.

Ab diesem Zeitpunkt begann ich meiner kleinen, leisen Stimme, meinem Gefühl zu vertrauen. Heute weiß ich, es war mein Gewissen, mein Sinn-Organ.



Ich schmiss mich aus meiner eigenen Firma raus mit dem Ziel, eine sinnerfüllte Arbeit mit Menschen zu finden, das wusste ich, mehr nicht. Meine Umgebung diagnostizierte mir eine geistige Umnachtung, ein Burnout oder was auch immer, genauso wie die Institutionen, bei denen ich mich fleißig bewarb, denn die konnten nicht glauben, dass man eine finanzielle abgesicherte Stelle aufgibt, ohne einen Dachschaden zu haben. Den vielen Absagen hielt ich nur eines entgegen – schade, dass sie mich nicht bekommen haben, denn ich meine es wirklich ernst.

Ich hielt mich weiter an den Peilsender meines Gewissens und schrammte dadurch gerade noch an der Trennung meines Mannes vorbei, der sich auch schon fragte, wen er da eigentlich geheiratet hatte.

Und jetzt sitze ich da, und darf sagen, es hat sich alles total gelohnt. Ich liebe meine Arbeit in der Frauenberatung. Sie erfüllt mein Leben sehr. Ich habe viel weniger Geld und bin doch um so viel reicher geworden.

Als ich das erste Mal nach St. Pölten zur Logovision, zur praktischen Anwendung von Logotherapie und Existenzanalyse kam, stellte ich total verwundert fest, dass es für meine vermeintlich geistige Umnachtung, die mir immer wieder diagnostiziert wurde, auch einen Namen gab, besser noch, eine ganze Lehre:

Die Logotherapie und Existenzanalyse von Viktor E. Frankl.



Seitdem füge ich ein Stück nach dem anderen zusammen, lasse mich „erleuchten“, ringe ständig mit den Texten von Viktor Frankl und erfreue mich immer wieder an seinen Sichtweisen, die mir Inge Patsch in meinen Supermarkt der sinnstiftenden Möglichkeiten stellt, ohne Zwang und Belehrung.

Als logotherapeutischer Dinosaurier weiß ich, dass ich noch immer nichts weiß. Das macht nichts, es darf dauern – mein Sinn-Organ habe ich schon mal gefunden – was will ich mehr – die Richtung ist vorgegeben, der Peilsender eingestellt – alles ist gut, ich habe Zeit und Geduld.



Scroll to Top