Monatsgedanken

Oktober 2026

Jede und jeder beginnt ein Projekt oder eine Aufgabe mit der Zuversicht auf einen guten Ausgang. Diese Fähigkeit haben wir auf diese Welt mitgebracht, sonst hätte niemand von uns – trotz allem Niederfallen – gehen gelernt. Im Älter-Werden vergessen wir manchmal, dass das Misslingen ebenso zum Leben gehört, wie das Gelingen. Vermutlich liegt es an der Eigenart des menschlichen Erkenntnisvermögens, dass uns erst das Scheitern auf den Boden der Tatsachen landen lässt.
Ob man das Misslingen einer Aufgabe oder eine Erkrankung oder den Verlust der Erwerbstätigkeit oder mangelnde Fitness oder eine persönliches Scheitern als Niederlage bezeichnet bleibt jeder und jedem selbst überlassen.

Es ist mehr als verständlich, Schmerzen vermeiden zu wollen. Dennoch ist das Vermeiden manchmal schädlicher als das Zulassen von Schmerz. Manche verhindern durch die Weigerung genau hinzuschauen, wie es zur „sogenannten Niederlage“ gekommen ist, jene Erkenntnis, die unser Bewusstsein menschlicher werden lässt. Wer in der Überzeugung lebt, er könne Niederlagen vermeiden, irrt sich grundlegend. Obwohl es niemand gerne hört: Niederlagen sind eine Lebensschule und könnten uns vom Anspruch befreien, dass jede Herausforderung gelingen muss. Lernen ist mühsam, denn fordert uns heraus, unsere Sichtweise zu bedenken. Deshalb ist Mitgefühl von anderen in der Phase des Schmerzhaften der Trost, den wir als Mensch bräuchten und der uns gut tut. Dieser Trost ändert nichts am Schmerz, doch das Verständnis wirkt wie schmerzstillender Verband.
Im Zweifelsfall ist Ablenkung eine gute Sache. Ablenkung in Filmen mit Verständnis, Mut und Zivilcourage wie „Das Leben ist was Wunderbares.“

Ein Liedtext von Kurt Demmler ermutigt zu diesem echten und ehrlichen Mitgefühl:
Im Unglück soll der Mensch Mitmenschen finden…

Die Fragen, die sich stellen: Ist mir die Ohnmacht schon einmal begegnet? Kenne ich Ohnmacht?
Wer den Begriff nicht kennt und damit auch den – oft schmerzlichen – Zustand der Ohnmacht vermeiden will, wird von dieser Art Trotzdem nicht viel verstehen. Die Trotzmacht des Geistes verlangt auch, sich selbst und seine Handlungen in Frage zu stellen.

„Ein Opfer zu sein, macht einen nicht zu einem besseren Menschen.
Das weiß ich auch aus meiner eigenen Familie.
Wenn das eigene Leiden befähigt, mehr Mitgefühl für andere zu entwickeln,
dann ist das eine individuelle Leistung.
Aber wenn es nicht gelingt, für Gerechtigkeit zu sorgen, ist es sinnlos, sich als Opfer zu begreifen.
Catherine Liu, Verlieren wir uns im Leiden?
Link zum Artikel DIE ZEIT

Die Einsicht in die eigene Verwundbarkeit erinnert uns an die wechselseitige Abhängigkeit, die uns ein ganzes Leben lang treu ist. Das Bewusstmachen von Abhängigkeit ist die Grundvoraussetzung für Vertrauen, Mut, Verständnis und Mitgefühl.

Mutige und bewundernswerte Menschen kennen wir nicht nur aus der Geschichte. Zwei außergewöhnliche Menschen, Aziz Abu Sarah und Maoz Inon rufen weltweit zur Versöhnung auf: „Wir haben zu viele Kriegshelden. Wir wollen Helden des Friedens und der Versöhnung schaffen. Das ist die Arbeit, die wir gemeinsam leisten und es gibt so viele, die so wie wir diesen Weg gehen.“
Aziz Abu Sara ist Palästinenser und betrauert den gewaltsamen Tod seines Bruders durch israelische Krieger. Maoz Inon ist Israeli und bertrauert den Tod seiner Eltern, die am 7. Oktober 2023 den Terrorangriff der Hamas nicht überlebt haben.
Was sie miteinander verbindet ist die Trauer und der Weg der Versöhnung.
Im Gespräch mit Birgit Dalheimer erzählen sie.

Die Bilder auf dieser Seite sind von Hugo Simberg (1873 – 1917), einem finnischen Maler

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