Monatsgedanken

APRIL 2025


„Widerstand und Ergebung“ so lautet das Buch von Dietrich Bonhoeffer, welches 1951 zum ersten Mal erschien, in 15 Sprachen übersetzt wurde und mittlerweile in der 25. Auflage vorliegt.
Die Geschichte erzählt uns von den „anständigen und unanständigen“. Jede und jeder kann wählen für wen er/sie sich interessiert. Die Zeit, in der man selbst jung gewesen ist, spielt dabei eine wesentliche Rolle. Menschen, die den Fall der Berliner Mauer am 9. November 1989 oder den Beginn der Präsidentschaft von Nelson Mandela im Mai 1994 in Südafrika bewusst wahrgenommen haben, haben oft eine andere Sicht auf das aktuelle Geschehen in der Welt. Für viele jüngere Menschen ist das rundum Sorglospaket, welches viele Eltern ihren Kindern zur Verfügung gestellt haben, eine Erfahrung, die nur wenig persönliche Einschränkungen kennt. Gerade deshalb wäre die lebendige Erinnerung an die Geschichte des 20. Jahhrunderts eine Bereicherung. Auch dann bereichernd, weil sie belastend ist.
Ignatius von Loyola erkannte sowohl den Trost, welcher von manchen Geschichten ausging und erlebte eine Art innere Leere, eine Trostlosigkeit, welche andere Berichte in ihm auslösten. Er nannte dies „Unterscheidung der Geister“.
Wahrnehmen, was uns gut tut, tröstet und herausfordert ist für Zuversicht und Vertrauen wesentlich. Dazu gehört die Fähigkeit unterscheiden zu lernen und sich eine eigene Meinung zu bilden.

Nicht nur der Blick auf die Geschichte könnte ermutigen, sondern auch die Überlieferung von Märchen und Legenden. Viktor Frankl hat hin und wieder eine alte jüdische Legende erzählt:
Eine jüdische Legende sagt, das Schicksal der Welt ruhe auf 36 Gerechten Sie sind allerdings unbekannt oder verborgen. Dem liegt der hebräische Begriff »Zaddikim Nistarim« zugrunde, was so viel wie »verborgene Gerechte« bedeutet. Die Legende ist in den eher mystischen Dimensionen des Judentums verankert.
Die jiddische Sprache hat ein eigenes Wort für die verborgenen Gerechten geschaffen: Man nennt sie im populären Sprachgebrauch »Lamedwawniks«.

Die talmudische Überlieferung kennt Meinungen, wonach es in jeder Generation 36 Gerechte auf der Welt gibt. Stirbt einer von ihnen, nimmt sofort ein anderer seine Stelle ein. Diese heiligen Personen sind verborgen. Niemand weiß, wer sie sind. Doch ihretwegen bewahrt Gott die Welt, auch wenn der Rest der Menschheit noch so verkommen wäre – so die Tradition.
Manche Legenden erzählen, dass die Lamedwawniks mystische Kräfte besitzen. Sie beschützen nicht nur die Welt, sondern sie können auch Katastrophen, Bedrohungen und Verfolgungen abwehren. Doch sobald ihre Aufgabe vollendet ist, kehren sie in die Anonymität zurück und verbergen sich wieder in einer Gemeinde, in der sie unbekannt sind.
Die Lamedwawniks selbst wissen nicht, dass sie zu den 36 Gerechten gehören. Sollte aber jemand beanspruchen, einer der 36 Gerechten zu sein, wäre das der Beweis dafür, dass er es mit Sicherheit nicht ist. Denn die Zaddikim sind der Inbegriff der Bescheidenheit. Da niemand weiß, wer die Lamedwawniks sind, könnte sich jede und jeder so verhalten, als ob er oder sie einer von ihnen sei.

Die Verantwortung als groß und schwer zu bezeichnen, verstehen wir. Wissen wir doch, wie viel Mut und Kraft, Verantwortung fordert. Doch Viktor Frankl spricht von einer „herrlichen Verantwortung“. Was könnte an der Verantwortung herrlich sein? Es ist wohl die Freiheit, für die es sich lohnt, Verantwortung auf sich zu nehmen und Antworten zu suchen.

Einige Antworten auf manche Fragen finden sich in den Schriften über die Dreißigerjahre des letzten Jahrhunderts. Zum Beispiel die Frage:
Wie ist es möglich, dass heute in unterschiedlichen Ländern, welche von Machtgierigen regiert werden, so viele Beute einer Ideologie von Macht und Ungerechtigkeit werden?

Yacouba Sawadogo ist ein Farmer aus Bukina Faso und entwickelte eine vergessene Anbautradition. Dank Sawadogo wurde die trockene Erde wieder grün. Der Erfolg sprach sich herum, und die Methode wurde immer beliebter. 30 Jahre nach Sawadogos ersten Versuchen wachsen in der Sahelzone wieder grüne Haine, darin Heil- oder Futterpflanzen. Auch die Grundwasserspiegel stiegen an.
Doch das gefiel den Verantwortlichen im Staat nicht. Sie setzen neue Grenzsteine und Yacouba hätte das Land, das früher niemand wollte, für € 50.000 kaufen können.
Seine Erkenntnis: „Du kannst nichts Gutes tun, ohne Widerstand zu provozieren. Wenn Du Feinde hast, spürst Du, dass Du dabei bist etwas Gutes zu tun.“

Ein kurzer Filmausschnitt von sieben Minuten zeigt Yacouba Sawadogo: „Der Mann, der die Wüste aufhielt“.

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