Gastfreundschaft und Offenheit trägt mehr zu einem gelingenden Leben beiträgt, als das Beharren auf der gewohnten Sichtweise, die für einen selbst die richtige ist.
„Ich weiß Dir Dank, dass Du mich so hinnimmst, wie ich bin.
Was habe ich mit einem Freund zu tun, der mich wertet?
Wenn ich einen Hinkenden zu Tisch lade, bitte ich ihn, sich zu setzen, und verlange von ihm nicht, dass er tanze.
Mein Freund ich brauche dich, wie eine Höhe, in der man anders atmet!„
Antoine de St. Exupéry
Bin ich fähig, einem Text oder einem Buch oder einem Film eine Art „innere Gastfreundschaft“ zu ermöglichen?
Kann ich Gedanken anderer so aufnehmen, dass sie mich wärmen und ich mich verstanden fühle? Um es verständlicher werden zu lasssen, ein Beispiel:
Friedrich Schorlemmer schreibt in seinem Buch „Wohl dem, der Heimat hat“ auf Seite 11:
„Wohl dem, der sagen kann, was seine Herkunft prägt, ob eine geistige, eine religiöse, eine geografische, eine naturbezogene oder eine sprachliche.
Wohl dem, der sagen kann: ‚mein Lehrer, meine Lehrer‘.
Wohl dem, der Menschen hat, die ihn auf den Weg gebracht, seine Begabungen entdeckt, ihn gefördert und gefordert haben.
Wohl dem, der Menschen zu nennen weiß, die er verehrt, die ihn deshalb nicht klein machen oder über die er schließlich hinausgewachsen ist.“
Es ist vermutlich nicht möglich, diese Gedanken jemandem zu erklären, wenn er in keinem dieser Sätze etwas findet, was ihn selbst berührt und ein leises Lächeln auf sein Gesicht zaubert.
Man ist bei dem Menschen, den man liebt, man vergisst sich. Man ist bei der Sache, für die man steht, man vergisst sich. Man ist in dem Buch, das man liest und das einen bannt.
Man ist in der Musik, die man liebt,
und man vergisst sogar, dass man Kopfschmerzen hat.
Diese Selbstvergessenheit ist keine Moral oder Tugend,
sie ist Glück.
Unglück dagegen ist,
sich selber stets gegenwärtig zu haben und
unerträglicher Gast seiner selbst zu sein.
Innere Gastfreundschaft hat mit Interesse zu tun, mit Empfindsamkeit und jener Offenheit, welche nicht sofort nach einer Handlungsanweisung sucht.
Menschen brauchen Vorbilder im Sinne von Orientierung und Ermutigung. Vorbild bedeutet, sich von der Art der Lebensweise eines anderen berühren zu lassen. Besonders berühren Menschen, die schwierige Situationen tapfer bewältigt haben.
Gerade in schwierigen Zeiten sind Gedanken anderer oft ein Segen. Menschliche Größe zeigt sich meistens in einer Niederlage. Menschliche Größe ist die Fähigkeit, an Idealen und Werten festzuhalten, obwohl es schwer fällt.
Es gibt Situationen im Leben, in denen man sich selbst entlasten muss und vor sich selbst flüchtet. Wer es bereits erlebt hat, weiß wie unerträglich es sein kann, in sich selbst keinen Ausweg zu finden. In solchen Stunden tut es einfach nur gut, Texte von anderen zu lesen, die ähnliches erlebt haben müssen, sonst könnten sie nicht darüber schreiben.
sein eigenes Wesen nämlich, aus sich herauszuleben,
wird damit zu rechnen haben,
dass die Meute der Konformisten und Konventionalisten sich an seine Fersen heftet, um ihn zu Fall zu bringen.
Denn keiner scheint sie wütender zu machen als der,
der seinen eigenen Weg geht.
Und trotzdem: Wer immer es wagt, sich selber treu zu sein, wird auch erfahren,
dass ihm das Leben selbst die Treue hält.

Innere Gastfreundschaft ist ähnlich wie eine Tasse Tee, die den Körper wärmt.
Innere Gastfreundschaft bedeutet auch, sich der Persönlichkeit eines Menschen ausliefern. Vielleicht war er auf seine Weise ein Genie und selbst erreicht man nicht, was man sich vorgenommen hat. Doch Zustimmung und Ablehnung der Person stehen nicht im Vordergrund. Es kommt darauf an, mit einer oder mehreren großen Seelen in Berührung zu kommen.
Wer jedoch keine anderen Meinungen mehr erträgt und hundertprozentige Sicherheit will, der ist weit entfernt von Berührbarkeit. Bei vielen geht es um alles oder nichts. Wer nicht mitmacht, wer anders lebt, gehört nicht dazu.
Es gibt Dinge im Leben, die wir nicht reparieren oder rückgängig machen können. Im Angesicht von Veränderungen und Verlusten können wir nur in uns selbst, eine Haltung entwickeln, die uns das Leben bejahen lässt.
Eines der wichtigsten Dinge ist Vertrauen. Vertrauen in andere Menschen und ins Leben selbst. Wir sollten für uns einen seelischen, einen geistigen, einen spirituellen Weg finden, dieser Welt zu begegnen, in dieser Welt zu leben, auch wenn wir uns wünschen, dass diese Welt anders sein möge.